Wirtschaft und Stiftungen zeigen Flagge

Bunte UnterstützerDas „Bunte Festival“ am 21. November hat viele Unterstützer für eine weltoffene Stadt

Ob Ingrid Noll oder Die Spitzklicker, ob Odenwälder-Shanty-Chor, Anke Helfrich, die Lokalrunde, Dr. Woggle an the Radio und all die anderen – am großen „Bunten Kulturfestival“ anlässlich des NPD-Bundesparteitages am 21. November in Weinheim traten sie alle ohne Gage auf. Sie freuten sich, den Ruf ihrer Heimat als weltoffene und im besten Sinne bunte Stadtgesellschaft an diesem Wochenende ins Land hinaus tragen zu können. Genauso geht es in Weinheim renommierten Vertretern der Wirtschaft und des Handwerks sowie am Ort ansässigen Stiftungen, die gemeinsam das zehnstündige Kulturfestival in einem Kulturzelt in Sichtweite der Stadthalle (dem Tagungsort der NPD) unterstützten und maßgeblich über Spenden finanzierten. Veranstalter des Kulturfestes ist das Bündnis „Weinheim bleibt bunt“, dem die Stadtverwaltung selbst angehört, gemeinsam mit dem Stadtjugendring e.V.

Einen wichtigen Beitrag leistete die Vereinigung Weinheimer Unternehmer (VWU), in der die wichtigsten Unternehmen der Stadt gebündelt sind. „Es geht hier um den Wirtschaftsstandort Weinheim und seinen weltweiten Ruf, da müssen wir zusammenstehen“, erklärte VWU-Sprecher Dr. Peter Schuster jetzt im Rahmen eines Pressegesprächs die Gründe. Auch der Gewerbeverein unterstützte das Festival und damit den friedlichen und demokratischen Protest gegen den Parteitag. Andrea Schwenk und Holger Haring aus der Vorstandschaft des Gewerbevereins verwiesen auf die zahlreichen Mitarbeiter mit Migrationshintergrund, die im Handwerk beschäftigt und tadellos integriert sind. „Unsere Handwerksbetriebe sind Orte gelingender Integration“, erklärte Holger Haring. Jens Thron, Geschäftsführer der Sanitärfirma Franzmann, ergänzte: „Wir als Handwerker sind innerhalb und außerhalb unserer Betriebe auf ein tolerantes Miteinander angewiesen.“ Extremismus, egal von welcher Seite, führe zu Unfreiheit, Abschottung und Ausgrenzung. Thron: „Dies kann sich eine menschliche Gesellschaft nicht leisten –  auch wirtschaftlich nicht.“

Die Firma Franzmann unterstützte das Festival ebenso wie die Elektro-Firma Steidl bei der technischen Logistik, die das Festival benötigt. „Ohne Integration wäre das Handwerk sehr viel ärmer, wir wissen, wovon wir beim Thema Integration reden“, betonte Hermann Steidl. Dirk Ahlheim von der Firma „AVS AG“ in Weinheim erklärte: „Wir sind als  Weinheimer Unternehmen bundesweit tätig, und unsere Kunden auf der ganzen Welt  stellen zu Recht hohe Ansprüche auch bei der Einhaltung von Standards im Bereich von Arbeitsvorschriften, dem Umweltschutz und jedweder Ablehnung von Rassismus. Weinheim soll an diesem Wochenende nicht als Schauplatz des NPD-Bundesparteitages gesehen werden, sondern als Beispiel für eine offene und tolerante Stadtgesellschaft.“ Die Firma Naturin Viscofan klinkt sich in das Festival und die Idee sogar mit einer eigenen Kampagne ein: „Wir beschäftigen alleine in Weinheim Menschen aus 15 Nationen, Weltoffenheit ist ein wichtiges Merkmal der Naturin“, beschrieb Personalleiter Uwe Seehaus. Sein Unternehmen fühle sich mit Weinheim und seinen Einwohnern sehr verbunden, eine offene Firmenkultur sei dabei wichtig. Seehaus: „Mit unserem Banner wollen wir „Flagge“ zeigen.“  Über ein Integrationsprogramm plane das Unternehmen, Asylbewerber aus Afghanistan zu beschäftigen und die Möglichkeit der Integration zu bieten.

Auch die Bürgerstiftung Weinheim unterstützte das Bündnis „Weinheim bleibt bunt“. Dazu erklärte Vorsitzender Dr. Adalbert Knapp: „Für eine Bürgerstiftung als nicht unwichtiger Teil der Stadtgesellschaft ist es eine Selbstverständlichkeit, sich an einem derartigen von (fast) der ganzen Weinheimer  Zivilgesellschaft getragenen Vorhaben zu beteiligen. Das Projekt wurde fast ausschließlich ehrenamtlich getragen und kommt damit einem unserer zentralen Ziele entgegen, das ehrenamtliche Engagement in  besonderer Weise zu unterstützen.“ Weiter sei ein Stiftungs-Schwerpunkt die Förderung von Bildung und Kultur. Knapp: „Ein einmaliges Kulturfestival dieser Art zu fördern, ist uns daher sehr wichtig.“ Auch die Freudenberg Stiftung ist langjährige Partnerin der Stadt und zivilgesellschaftlicher Initiativen in Weinheim. Geschäftsführerin Dr. Pia Gerber: „Wir setzen uns gemeinsam dafür ein, dass in Weinheim alle ohne Angst verschieden sein können und Menschen mit Fluchterfahrungen aufgefangen werden.“ Das Festival spiegele die große kulturelle Vielfalt in Weinheim wider und setze ein Zeichen: Die Stadtgesellschaft ist offen und will es auch in Zukunft bleiben.

Ebenso zu den Unterstützern gehörte die in Berlin ansässige und der Freudenberg Stiftung nahe stehende Amadeu Antonio Stiftung, die Initiativen der Zivilgesellschaft und für demokratische Kultur unterstützt.

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